Das bin ich
Mein Name ist Angelique Kolzewski, und ich wurde 1995 in Südafrika geboren. Meine Kindheit unterschied sich stark von dem, was man hier in Deutschland kennt. Wir lebten auf einer Farm und hatten viele Tiere – Hunde, Pferde, Enten, Ziegen und vieles mehr. Das Land war wunderschön, und wir durften erleben was Freiheit bedeutet. In Südafrika gibt es 12 offizielle Sprachen, was zu einer Vielfalt an Kulturen führt. Durch die Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung, lernten wir viel über ihre Kultur, Bräuche und Traditionen . Diese Kulturen sind bunt und beeindruckend, und was mich immer faszinierte, ist wie die Menschen den Rhythmus der Musik spüren. Sobald Musik erklingt, bewegen sich ihre Körper intuitiv, als wäre der Rhythmus ein Teil von ihnen.
In 2017 entschied ich mich nach Deutschland zu gehen. Da meine Mutter von Deutschland stammt, hatten wir immer Kontakt zum Rest der Familie. Zu diesem Zeitpunkt war ich schwanger mit meiner ältesten Tochter. Die Schwangerschaft war schwierig. Ich hatte große Angst und fühlte mich sehr allein. Ich litt unter einer schweren Wochenbettdepression, die drei Monate andauerte. Ich traute mich nicht meine Gefühle zu äußern, da ich befürchtete, niemand würde mir glauben oder man würde mir gar mein Kind wegnehmen. Über längere Zeit litt ich unter schweren Depressionen, Angstzuständen, leichten Panikattacken und Suizidgedanken. Nach einem Jahr Elternzeit begann ich meine berufliche Ausbildung. In dieser Zeit habe ich gelernt meine Emotionen zum Selbstschutz weitgehend abzuschalten, und für eine Weile konnte ich so den Alltag besser bewältigen. Dann erhielt ich die Bestätigung dass ich nochmals schwanger war. Unerwartet, nicht geplant mit Zwillingen, meine Welt brach zusammen.
Diese Schwangerschaft brachte all die alten Ängste und Sorgen wieder zum Vorschein. Mehrmals erwog ich die Option der Abtreibung. Auf Umwegen traf ich meine Hebamme. Sie ist ein wahrer Engel. Sie behandelte mich mit einer unglaublichen Geduld, Fürsorge und Liebe. Ich bin der Überzeugung, dass ich es ohne ihre Hilfe nicht geschafft hätte, diese zwei kleinen Geschöpfe gesund und sicher in diese Welt zu bringen. Manche Engel haben keine Flügel, aber sie hinterlassen Licht, wo immer sie sind. Durch sie lernte ich mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die Transformation die ich durchlaufen habe war so tiefgreifend und vielfältig, dass ich es fast nicht in Worte fassen kann.
Einige Monate nach der Geburt meiner Zwillinge verstarb mein Großvater. Mein Großvater war ein liebevoller Mann, der seine Familie bedingungslos akzeptierte und liebte. Für uns als Familie war es absolut selbstverständlich, dass er bis zu seinem letzten Atemzug von uns zuhause, in gewohnter Umgebung, versorgt und begleitet wurde. Diese erste hands-on Sterbebegleitung war eine weitere tiefgreifende Erfahrung die ich erleben durfte. Viele Nächte sass ich an seiner Bettseite um mit ihm über sein Leben, seine Sorgen und Ängste zu reden. Mir wurde klar wie unwahrscheinlich wichtig eine Sterbebegleitung, für die betroffene Person, aber auch für die Hinterbliebenen ist. Er konnte ruhig und friedlich im Schlaf von uns gehen.
Nun sind bereits mehr als zwei Jahre vergangen. Für mich waren es zwei Jahre intensiver Transformation und persönlichen Wachstums. Es gab viele herausfordernde Phasen, die mir auch zeigten, wie wichtig Schattenarbeit ist. Auch wurde mir klar, wie wichtig es ist, sich selbst bedingungslos zu akzeptieren und zu lieben.
Heute bin ich voller Lebensfreude und Energie. Ich habe eine neue, positive Eistellung auf das Leben gewonnen und bin unendlich dankbar für jeden, der mich auf diesem Weg begleitet hat. Es gab viele Höhen und Tiefen, doch heute weiß ich, dass ich nie allein war.
Mit dieser neuen Lebensfreude und Energie gehe ich mit der Vision hinaus, auch anderen Menschen zu helfen, wieder ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Mutter Erde, zwischen weiblicher und männlicher Kraft sowie zwischen Körper, Geist und Seele zu schaffen.“ Mein Leitspruch lautet: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“ – Mahatma Gandhi.
Fühle dich gedrückt, liebe Seele